STILLE
ist ein kostbares Gut
unserer Zeit

Stille erfahren

Unsere Welt ist laut.

Überall gibt es Geräusche, Ablenkungen, Störquellen. Oft auch viel Lärm um nichts. Und die ständige Erreichbarkeit via Smartphone tut ihr Übriges dazu. Echte Ruhe und Stille sind selten geworden. Deshalb ist die Stille ein kostbares Gut unserer Zeit. Stille ist sogar ein regelrechter Luxus. Nicht wenige suchen inzwischen die Abgeschiedenheit und buchstäbliche Auszeit, um in der Kraft der Stille zu tanken.

„Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet“

„Denn so spricht der GOTT, der Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillhalten und Vertrauen liegt eure Kraft,“ schreibt der Prophet Jesaja (Jes 30,15), der zwischen 740 und 701 v. Chr. im Südreich Juda wirkte. Diese Worte des Propheten sind heute aktueller denn je. Denn Hektik und Termindruck bestimmen unseren Alltag sogar in der Freizeit.

Selbst in der Familie kommen viele Menschen nicht zur Ruhe

In Großstädten wie Frankfurt ist das besonders spürbar. In der Innenstadt sind täglich Hunderte von Menschen unterwegs. Sie laufen aneinander vorbei, ohne einander wahrzunehmen. Ein Termin jagt den anderen. „In Zeitnot geraten, wie in ein Netz, ist der Mensch, atemlos hetzt er durch sein Leben und wischt sich den Schweiß. Ein Fluch des Jahrhunderts ist die Eile“, so beginnt ein Gedicht des russischen Dichters Jewtuschenko.

Doch warum dieser Zeitmangel?

Warum leiden so viele Menschen unter Zeitmangel? Technische Hilfsmittel erleichtern unseren Alltag. Wasch- und Geschirrspülmaschinen, Computer und Handys sind nicht mehr wegzudenken. Eigentlich müssten diese Hilfen uns mehr Zeit für uns selbst bescheren! Aber das Gegenteil ist der Fall: „Es wird ganz eilig gezecht und ganz eilig geliebt, ganz tief sinkt die Seele dabei, man martert ganz eilig, vernichtet ganz eilig, ganz eilig sind später Reue und Buße vorbei“, so der Dichter Jewtuschenko.

Viele Menschen kennen die Stille nicht mehr

Zu dieser Ursache gesellt sich der Lärm. Die unzähligen Fernsehsender bieten rund um die Uhr Programm. Und man trifft kaum noch einen Menschen in der U-Bahn, der nicht ein Handy in der Hand hält und Kopfhörer an bzw. in den Ohren hat. Wer aus diesem Hamsterrad nicht ausbricht und der Hektik entflieht, wird dies früher oder später auch gesundheitlich zu spüren bekommen. Dass Stille ein besonderes Gut unserer Zeit ist, gerät dabei in Vergessenheit.

Wer nur die Oberfläche der Dinge zur Kenntnis nimmt, der verliert die Fähigkeit zu erleben, zu fühlen, zu verkosten und zu verweilen.

Es überrascht nicht, dass die Zahl der psychisch kranken Menschen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Da helfen auch keine Zeit-Management-Seminare. Doch einfach nur da zu sein, haben viele Menschen ver- oder gar nicht erst gelernt. Es kostet Überwindung, sich regelmäßig eine Zeit der Stille zu gönnen und diese Zeit auch auszuhalten. Denn in der Stille wird der Mensch sich seiner selbst gewusst und das kann auch unangenehm werden. 

Des Menschen Sehnsucht nach Ruhe und Stille

Trotz dieser Entwicklung haben wir Menschen die Sehnsucht nach Stille nicht verloren. Menschen sehnen sich nach einer „Unterbrechung“ und haben längst erkannt, dass, wer vernünftig leben will, regelmäßig auch Atempausen benötigt. Viele haben längst erkannt, dass Stille ein kostbares Gut ist. Ein Zeichen hierfür kann die Musik sein. „Die Hälfte der Musik sind Pausen“, so Martin Buber.

Nur wer Pausen und Unterbrechungen einlegt, wird die Hektik des Alltags auf Dauer ertragen können.

Wenn du den Kontakt mit deiner inneren Stille verlierst„, schreibt Eckhart Tolle, „so verlierst du den Kontakt mit dir selbst. Wenn du den Kontakt mit dir selbst verlierst, verlierst du dich selbst in der Welt. Ein innerstes Verständnis von dir selbst, was du bist, ist untrennbar die Stille. Dies ist das ‚Ich bin‘, das tiefer ist als Name und Form.“ Schüler und Studierende finden zunehmend in sogenannten „Räumen der Stille“ einen Ort der Ruhe und Entspannung.

Kirchen sind Zufluchtsorte geblieben

Auch wenn die Bindung vieler Menschen an die christliche Kirche schwindet, sind die Kirchen Zufluchtsorte geblieben, in denen Menschen Stille finden können. In den Hof der Stille unserer Liebfrauenkirche kommen täglich viele Menschen, um eine Kerze anzuzünden und zu beten. In der Anbetungskapelle verweilen viele in Stille betend vor dem Allerheiligsten.

Und auch in der Natur lässt sich Ruhe finden

Bergsteiger berichten, dass sie auf einem Berggipfel ein Gefühl von Glück und Freunde empfunden haben. Unzählige Menschen sind auf alten Pilgerwegen unterwegs, wie etwa dem Jakobsweg oder dem Franziskusweg. Stille finden, im Schweigen verharren, im Einklang mit  Gott und der Natur unterwegs zu sein.“ Es gibt eine Stille, in der man meint, man müsse die einzelnen Minuten hören, wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinuntertropfen„, schreibt Adalbert Stifter. Und diese Stille ist ein kostbares Gut.

Ein Beitrag von  Hannelore Wenzel

Damit die Stille als kostbares Gut in unserem Leben nicht in Vergessenheit gerät, laden wir ein:

Die Schweigemeditation im Turmzimmer bietet montags von 17 Uhr bis 18 Uhr die Möglichkeit, gemeinsam in die Stille einzutauchen. Dies ist ein offenes, kostenloses Angebot. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Wegen der Corona-Pandemie kann die Schweigemeditation derzeit leider nicht stattfinden.

Zur Beichte im Turmzimmer

Zur Ruhe kommen. Zu sich kommen. Zu Gott kommen. Unser Turmzimmer bietet Raum für Besinnung, Versöhnung, Heilung und Neuausrichtung. Die Priester begleiten Sie hier gerne auf dem Weg zurück zur Mitte, zu Jesus Christus.

 

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