Interview mit dem neuen Kirchenrektor

Im Gespräch mit Br. Bernd Kober. Erfahren Sie mehr über den neuen Rektor von Liebfrauen.

Herzlich Willkommen in Liebfrauen, Br. Bernd!

Geboren und aufgewachsen in Frankfurt trat Bruder Bernd Kober (49) mit 21 Jahren in den Kapuzinerorden ein und war nach seiner Priesterweihe 2000 in Münster und dann seit 2005 in Salzburg als Novizenmeister und in den vergangenen zwei Jahren in München im Pfarrverband Isarvorstadt tätig.

Br. Bernd ist ein fröhlicher, zupackender Ordensmann. Zwischen Kisten und Koffern kurz vor dem Umzug nach Frankfurt sprach er am Telefon mit Antonia von Alten vom Liebfrauen-Magazin.

im Gespräch mit Br. BERND KOBER...

Hallo Bruder Bernd! Ich stelle mir vor, dass ein Kapuzinerbruder, der die Armut gelobt hat, mit kleinem Gepäck reist. Wie groß ist das Umzugsauto?                                                               (Bruder Bernd lacht). Es ist schrecklich, wie viele Dinge sich angesammelt haben. Ich habe sehr viel weggeschmissen, musste aber trotzdem einen Sprinter mieten.

Wir sind neugierig auf Sie. Wie geht es Ihnen kurz vor dem Start in Frankfurt? Worauf freuen Sie sich am meisten?                                                                                                                                    
Ich bin auch neugierig auf Euch. Ich freue mich darauf, mit den Menschen Gottesdienst zu feiern und auf die gute Musik in der Liebfrauenkirche. Für mich ist Liebfrauen ein Biotop innerhalb einer verrückten, ja fast wahnsinnigen Stadt. Ein spiritueller Ort. Und wir Kapuziner zeigen: wir sind hier zuhause. Wir sind da für alle, die kommen: jeder darf kommen, egal welchen Taufschein oder welche sexuelle Orientierung jemand hat. Jeder ist willkommen, egal in welcher Lebenssituation er oder sie sich befindet, niemand soll sich hier falsch oder verkehrt fühlen.

Frankfurt ist für Sie ein Heimspiel. Sie sind ein Frankfurter Bub …
Ja, geboren in Schwanheim. Ich bin das einzige Kind meiner Eltern. Mit neun Jahren wollte ich Ministrant werden. Weil es in meiner Heimatgemeinde schon 100 Ministranten gab, kam ich nach Liebfrauen, und war dort gut 10 Jahre Ministrant. Nach dem Abitur war ich Zivi im Franziskustreff und habe so auch das Kloster von innen kennengelernt. Ich habe die Brüder auf gute Weise als normal und bodenständig erlebt: Sie haben sich gestritten und waren wieder gut miteinander. Das hat mir gefallen.

Und so kam es zu der Entscheidung Kapuzinerpriester zu werden? Gab es da einen besonderen Moment, der alles verändert hat in Ihrem Leben?
Nein, für mich war das eine ganz unaufgeregte glatte Entscheidung. Ich wollte Priester werden, aber nicht alleine oder mit einem Hund leben. Ich war angezogen von der Gemeinschaft. Die Entscheidung in den Orden einzutreten war schmerzhaft für meine Eltern. Aber sie haben mich gehen lassen und nach ein paar Jahren auch gemerkt, dass es gut so ist.
Ein Saulus-Paulus Erlebnis gab es für mich erst in den letzten Jahren. In seelsorglichen Gesprächen habe ich hautnah mitbekommen, wie Menschen unter Missbrauch durch Priester gelitten haben. Das hat mein Vertrauen in die Kirche stark erschüttert. Und das hat bei mir zu einer größeren Eigenständigkeit im Denken und einer größeren Freiheit in der Pastoral geführt.

Sie kommen jetzt aus München, waren dort in der Corona-Zeit Leiter des Seelsorgeteams des Pfarrverbands Isarvorstadt, davor 14 Jahre lang in Salzburg Novizenmeister. Pulsierendes Leben in einer Großstadtpfarrei und Begleitung junger Ordensmänner – das sind sehr unterschiedliche Aufgaben. Was macht das Leben als Kapuziner für Sie aus?
Für mich ist es das Pendeln zwischen Begegnung und Stille: Ein Kapuziner braucht die Freude an der Begegnung mit Menschen. Und er braucht die Verwurzelung in der Stille. Denn ohne Stille kann ich nicht zu mir selbst kommen und ohne Stille sind auch tiefe und wesentliche Begegnungen mit den Menschen und mit Gott unmöglich.

Die Anfrage, schon nach zwei Jahren in München wieder umzuziehen und Rektor in Liebfrauen zu werden, kam für Sie sicher sehr überraschend. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen?
Ich hatte schon länger den Wunsch geäußert, langfristig nach Liebfrauen versetzt zu werden, um näher bei meinen Eltern zu sein, die jetzt meine Hilfe brauchen. Dass es so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet. Die Dinge kommen im Leben meist nicht so wie man es sich wünscht. In München hätte ich jetzt – nach der Coronazeit – endlich loslegen können, das ist ein bisschen traurig. Aber es ist jetzt so. Und die neue Aufgabe ist ein spannende. Mein Motto ist: Aus dem was kommt, mit Phantasie und Gottes Hilfe nach Kräften Gutes entstehen lassen.

Wenn Sie nicht Kapuzinerpater geworden wären, was dann?
Vielleicht wäre ich Musiker geworden. Ich liebe Musik, habe als Jugendlicher in Liebfrauen Orgel gespielt und auch eine Kirchenmusikerausbildung (C-Schein) absolviert …

Das Leben als Rektor von Liebfrauen wird sicher anstrengend. Wie entspannen Sie sich, haben Sie Hobbies?
Ich gehe gerne zu Fuß, brauche keinen Roller, kein Fahrrad und kein Fitnessstudio. Ich liebe sowohl die Natur als auch die Großstädte. Meinen letzten Urlaub habe ich in Berlin verbracht und habe zu Fuß die Innenstadt erkundet, Geschichte, Kunst und Menschen wahrgenommen – und mich dabei sehr gut erholt und inspirieren lassen.

Neuer Rektor in Liebfrauen

Br. Bernd im Interview auf Kapuziner.de

Br. Bernd auf Kapuziner.de zum Thema Berufung 

Beitrag auf Kapuziner TV mit Br. Bernd aus seiner Zeit als Novizenmeister in Salzburg

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