Warum braucht der Mensch Stille?
Ein Interview mit DR. MATTHIAS DELIANO
Inmitten einer Welt ständiger Reizüberflutung gewinnt die Stille eine neue Bedeutung. Doch was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn es still wird?
Der Neurowissenschaftler Matthias Deliano erklärt, dass Stille im Gehirn eine besondere Rolle spielt: Wenn äußere Reize wegfallen, wird die Eigenaktivität des Gehirns sichtbar. In der Stille beginnen ganze Netzwerke zu schwingen, Gedanken tauchen auf, der Körper wird stärker wahrgenommen. Das wirkt sich positiv auf Konzentration, Stresslevel, emotionales Gleichgewicht und sogar auf die Gedächtnisbildung aus.
Stille ist kein „Nichts“, sondern ein bewusstes Erleben, das in einer reizüberfluteten Welt immer wichtiger wird. Sie hilft, wieder bei sich anzukommen und die eigene Selbstwirksamkeit zu spüren. Im Labor wird Stille mit schallgeschirmten Räumen und Methoden wie EEG oder Magnetenzephalographie untersucht.
Für den Alltag empfiehlt Deliano einfache Wege: in die Natur gehen, nichts vornehmen, wahrnehmen, was da ist, und die eigene innere Unruhe liebevoll annehmen. Stille muss erlebt und geübt werden – dann kann sie heilsam und verändernd wirken.
Zur Person:
Dr. Matthias Deliano leitet am Leibniz-Institut Magdeburg die Arbeitsgruppe Translationale Verhaltensphysiologie. Der Biologe und Neurophysiologe forscht zur Verhaltensphysiologie beim Lernen. Mit der Psychologin Franziska Bischoff und dem Neurochirurgen und Schmerztherapeuten Lars Büntjen untersucht er die neurophysiologischen Grundlagen von Achtsamkeit und ihre Wirkung auf Schmerz- und Stresszustände.
Das Interview führte Br. Christian Albert.
Das gesamte Interview von Dr. Matthias Deliano ist auf der Homepage der Deutschen Kapuzinerprovinz erschienen. Dort können Sie sich auch das Magazin der Kapuziner cap! nach Hause bestellen oder als PDF herunterladen.
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